Unsere Blue


Ach ja, unser Bluechen, die Flitzpiepe. Mittlerweile unsre Oma, mit ihren fast vierzehn Jahren, ich darf gar nicht daran denken, so schnell vergeht die Zeit. Wenn ich heute im Internet stöbere und natürlich auch etliche Tiervermittlungsseiten anklicke, kann ich gar nicht begreifen, daß es so schwer ist alte oder ältere Hunde zu vermitteln. Wobei älter ja schon meistens bei fünf oder sechs Jahren anfängt.

Man sollte sich natürlich im Klaren darüber sein, daß ein alter Hund ganz schön teuer werden kann, Tierarztmäßig gesehen. Andererseits, holt man sich einen jungen Hund, wird der ja auch mal alt, und es kommen auch Kosten für die Alterszipperlein auf einen zu.

Auf jeden Fall kostet ein Hund Geld, man muß Zeit für ihn haben, mal schnell in den Urlaub fliegen geht auch nicht, ist es ein so genanntes älteres Modell, kann es sein, daß man mehrmals mitten in der Nacht geweckt wird, weil es mal raus muß, oder die Zeit hat dazu nicht gereicht und man hat die Bescherung in der Wohnung. Die Wohnung sieht sowieso meistens aus wie Sau bei schlechtem Wetter, in diesem Fall ist es bei uns der Flur, auf dem man wunderbar die Pfotenabdrücke sieht, ja, ich weiß, man kann doch die Pfoten saubermachen, bevor der Hund die Wohnung betritt, man kann, aber man muß nicht.

Wer Tiere hat darf nicht pingelig sein, sonst soll er sich ein Plüschtier holen, das macht keinen Dreck, keine Arbeit und kostet auch weiter kein Geld, und will man es nicht mehr, weil es zu alt ist und schon etwas ramponiert kann man es wegschmeißen. Punktum !!! Leider werden das wieder nur Leute lesen, die das sowieso schon wissen, aber manchmal geht es halt mit einem durch !.

Wir haben uns damals überhaupt keine Gedanken gemacht, daß Blue "schon" acht Jahre alt war. Sie war gleich wie zu Hause bei uns, als wäre es schon immer so gewesen. Und ich habe mich gefreut: jetzt hast du endlich jemand zum Spazieren gehen, weil alleine macht mir das keinen Spaß, und mein Freund ist kein begeisterter Wanderer. Ja, Pustekuchen, da hatte ich die Rechnung ohne Blue gemacht, die hatte am Anfang auch keine Lust dazu.

Nur konnte ich sie, anders wie meinen Freund davon überzeugen, daß sowas Spass macht. Wir sind viel gelaufen die ersten Jahre, am Wochenende im Sommer früh aufgestanden und losmarschiert, zwei, drei Stunden lang. Wenn wir dann heimkamen, hat sich Blue zum Schlafen in den Garten gelegt und ich konnte mich an den von meinem Freund zubereitenden fertigen Frühstückstisch setzten.

Leider kann unser Bluechen jetzt natürlich nicht mehr so gut mithalten, aber anderthalb Stunden schafft sie schon noch, natürlich in gemächlichen Tempo, und es müssen Hundefreunde dabeisein, sonst brauch ich ihr gar nicht zu kommen. Also werden jetzt immer feste Verabredungen mit diversen Frauchen getroffen, meistens das Frauchen von Anna und Joschi, damit sich der Weg auf die Hundewiese auch lohnt. Seit langem schon wird da nicht mehr hingelaufen, sondern hingefahren, sonst wird das für unsere Oma zuviel.

Nach einer gewissen Strecke weiß sie genau wo es hingeht, da ist von dem müden Hund, der fast eine Viertel Stunde gebraucht hat um vom Haus ins Auto zu kommen, nichts mehr zu merken.(Nicht das unser Grundstück so groß ist, sie braucht einfach so lange.) Vor allem weiß sie erst mal nicht, ob sie überhaupt mit will. Das muß man sich ja erst mal durch den Kopf gehen lassen ! Aber dann sitzt sie hocherhobenen Hauptes mit leuchtenden Augen auf dem Rücksitz und hält Ausschau, ob Anna und Joschi schon da sind. Und wenn ich mich dann nicht beeile, springt sie mir so aus dem Auto und wartet nicht, bis ich ihr den Tritt hingestellt habe, den Herrchen gebastelt hat, damit sie besser rein und raus kann.

Ja, und dann kann unsere Oma auch wieder rennen, sich im Dreck wälzen und Vögeln nachjagen. Wenn wir dann wieder heimkommen schläft sie den Rest des Tages durch. Und ich setze mich an den fertigen Frühstückstisch.
Danke Michael, daß ich mich jedesmal, wenn ich vom Spaziergang komme, an den Tisch setzen und gemütlich Kaffee trinken kann! Muß auch mal gesagt werden.

Wir hatten Blue gerade mal ein paar Wochen, da mußte sie schon operiert werden, ein Tumor an der Milchleiste, da hab ich dann doch gedacht, sie ist doch "schon" acht Jahre alt und das Herz macht ihr doch auch zu schaffen. Aber es ist alles gut gegangen, von der Tüte die sie dann tragen mußte, war sie nicht so begeistert, aber die hatte sie nur nachts um. Tagsüber, ich war zu Hause in der Zeit, habe ich ihr ein großes T-Sirt von hinten über den Po angezogen und über dem Hals verknotet, das ging wunderbar. Wenn sie trotzdem mal versucht hat an die Narbe zu kommen, mußte man nur sagen "nein" und dann wars gut.

Wenn ich mal nachschauen wollte, ob alles in Ordnung ist, mußte sie sich hinlegen und ich habe gesagt: "Zeig mir mal dein Bäuchlein ." da hat sie alle viere von sich gestreckt und mir ihren Bauch gezeigt. Aber ich mußte sagen "Bäuchlein", zeig mir mal den Bauch hat nicht gewirkt. Sie ist wirklich ein pflegeleichtes Teil, soviel Angst, wie sie sonst vor den unmöglichsten Dingen hat, wenn sie beim Tierarzt ist, läßt sie alles mit sich machen.

Wobei sie allerdings auf die Barrikaden geht, ist, wenn ich sie bürsten will. Je älter sie wird, desto schlimmer wird es. Einmal ganz leicht geziept, kann ich die Sache vergessen, und ich bin wirklich vorsichtig, jedesmal wenn ich sie bürste, verfluche ich den Züchter der ihr das angetan hat. Wie kann man Hunde züchten, deren Haare bis auf den Boden hängen, bei denen man nicht weiß, wo vorne und hinten ist. Wieso muß man heutzutage überhaupt noch züchten !

Die Tierheime sind voll mit Tieren jeglicher Art, sogar Rassehunde sind dabei, wenn es denn unbedingt einer sein muß. Obwohl ich das überhaupt nicht nachvollziehen kann, wieso muß es ein Rassehund sein, dem Hund ist es ja auch egal wie sein Herrchen aussieht. Will ich einen Hund oder ein Statussymbol !? Natürlich gibt es auch Leute, die haben halt ihr Herz an eine bestimmte Hunderasse verloren, da will ich mich nicht ausschließen. Mir geht es mit den irischen Wolfshunden so, ich weiß nicht warum, aber mir geht das Herz auf, wenn ich einen sehe. Aber deswegen würde ich mir niemals einen vom Züchter holen.

Aber zurück zu Blue, letztes Jahr im März, da war sie fast dreizehn, hatte sie eine vereiterte Gebärmutter und mußte operiert werden. Da bekam ich es aber dann wirklich mit der Angst zu tun. Während sie operiert wurde, saß ich in der Küche, qualmte eine nach der anderen und wäre wahrscheinlich tot umgefallen, wenn in der Zeit das Telefon geklingelt hätte, denn das hätte ja dann nur der Tierarzt sein können. Aber Gott sei Dank hat es nicht geklingelt und es ist alles gut gegangen.

Was waren wir froh, als sie wieder bei uns war. Jetzt hatte sie natürlich schon fast einen Tag nichts gefuttert, und sollte an diesem Abend auch noch nichts bekommen. Ich glaube das war am schlimmsten für sie ! Der Tierarzt sagte noch"Heute noch nichts füttern, morgen früh, wenn sie will, ein bißchen, aber ich denke ihr wird eh noch schlecht sein von der Narkose. Kommen Sie morgen früh vorbei, ich schau mir mal an wie es ihr geht, und wenn ihr wirklich übel ist geb ich ihr eine Spritze."

Wie so viele Sachen, die Blue nicht weiß, wußte sie auch nicht, daß eine fast dreizehnjährige Hündin so eine Operation meistens nicht so leicht wegsteckt und das es vorkommt, daß Hunden danach schlecht wird und sie überhaupt keinen Hunger haben. Blue hatte schon Abends Hunger und schlecht war ihr auch nicht. Am nächsten Morgen war es ganz schlimm! Sie graste in aller Herrgotts Frühe die Wohnung nach versteckten Leckerlis ab. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und machte mich auf den Weg zum Supermarkt um ihr was zu holen.

Abergläubisch wie ich war, hatte ich nichts mehr für sie gekauft, ich dachte, lieber holst du was, wenn alles gut gegangen ist, als das du hier das Hundefutter stehen hast und....., na ja ihr werdet Euch denken können was in meinem Kopf vorging. Auf jeden Fall, ich hörte sie als ich zurück kam schon von der Strasse aus weinen, anders kann ich es nicht ausdrücken: "HUNGER, HUNGER, HUNGER" Ich konnte es nicht fassen.

Aber was für eine Freude, als ich ihr ihren Napf mit Futter hinstellte, natürlich nicht viel, ein Händchen voll, wenn ich ihr den Napf voll gemacht hätte, hätte sie den natürlich auch weggeputzt. Nach einer Stunde gab ich ihr noch ein bißchen und dann sind wir zum Tierarzt. Der konnte es nicht glauben, als sie vor ihm stand als wäre nie etwas passiert. Aber er war natürlich begeistert. "Also, daß sie das so wegsteckt, einfach toll!" war seine Kommentar. Wie bei der ersten Operation war sie eine brave Patientin, aber so ist sie halt, ein pflegeleichtes Teil.



Vor dem Futtern....

 

...und danach




Aber selbst Blue, wirklich eine Seele von Hund, die keiner Fliege was zu Leide tut, weiß, mit wem sie es machen kann. Und dann macht sie auch. Der einen Nachbarin, die auch mit ihr spazieren geht, (oder besser gesagt, gerne mit ihr spazieren gehen möchte) der hustet sie was, von wegen raus gehen: "Jetzt wo ich schlafen will ! Kommt doch gar nicht in Frage, ich will meine Ruhe ! "

Da kommt dann der Altersstarrsinn durch, da kann die Nachbarin in den süßesten Tönen säuseln, Blue bleibt liegen, und hat es doch wirklich fertig gebracht, sie anzuknurren und nach ihr zu schnappen als ihr das alles zu viel wurde. Die arme Frau war total entsetzt als sie mir das erzählte.

Aber die Frau ist eine treue Seele und kommt trotzdem jeden Tag, manchmal geht Blue mit, manchmal nicht, je nach Laune. Auf jeden Fall bekommt sie ihre Streicheleinheiten und natürlich ein Leckerli.

Und Blue ist, das muß auch mal gesagt werden, ein ganz toller Wachhund. Es werden nur Leute angebellt die sie kennt, wenn jemand kommt, den sie nicht kennt, macht sie sich vorsichtshalber aus dem Staub. Da kann man sich drauf verlassen!

Wenn wir allerdings unterwegs sind, dann würde sie zu jedem gehen den sie nicht kennt, wenn ich ihr das erlauben würde, jeder mag das ja nicht. Aber wenn sie darf, dann schmeißt sie sich mit Begeisterung an wildfremde Leute ran, die ganze Blue wedelt und fordert Streicheleinheiten ein.
Ja, so ist sie unser Weib, ich hoffe, daß sie uns noch ein bißchen erhalten bleibt!